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Die Forschungsstation

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Ausbau der Forschungsstation 2006

Ausbau der Forschungsstation 2008

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Der Anfang 2001

von Dr. Carsten Schradin

Fünfzehnter September 2001, ich komme im Goegap Naturreservat in Namaqualand an. Ich will hier fünf Monate verbringen, um das Sozialverhalten der Striemengrasmaus zu erforschen. In einer Gefangenschaftsstudie fand ich heraus, dass sich die Männchen intensiv an der Jungenfürsorge beteiligen. Nun will ich wissen, ob auch die wilden Männchen väterliches Verhalten zeigen.

Enrico, der Vizereservemanager, gibt mir den Schlüssel zu meiner Unterkunft: Ein kleiner Betonbau neben der Müllhalde einer alten Miene. Ausstattung: Ein Schreibtisch, ein Regal und ein Gasherd. Zum stillen Örtchen und zur Dusche muss ich 20 Meter weit laufen. Dort bläst allerdings ständig der Wind den mit Gas betriebenen Gießer aus, welcher warmes Wasser für die Dusche liefern sollte. Also stopfe ich Klopapier in den Gießer, zünde es an und gehe dann schnell zur Dusche, um den Warmwasserhahn aufzudrehen. Der Gasfluss wird dadurch sofort stark erhöht, es kommt im Gießer zu einer kleinen Explosion. Habe ich Glück, läuft er jetzt und es gibt warmes Wasser. Manchmal ist die Explosion aber zu stark, und der dabei entstehende Druck pustet den Gießer gleich wieder aus. Also dasselbe Prozedere von vorne.
Da die Ausrüstung meiner Unterkunft sehr dürftig ist, kaufe ich erst einmal einen gebrauchent Küchentisch. Irgendwo muss man ja essen! Und da es im Sommer in Namaqualand sehr heiß wird, manchmal über 40 Grad, muss auch ein Kühlschrank her. Ich war etwas geschockt zu erfahren, dass ein Gaskühlschrank mehr als doppelt so viel kostet wie ein normaler: gut 600 Euro!
Aber so ausgerüstet kann die Forschungsarbeit beginnen. Zwei mal am Tag fahre ich mit meinem Golf zum Field Site, um Mäuse zu fangen, zu markieren, und um ihr Sozialverhalten zu beobachten. Somit fahre ich jeden Tag 30km auf schlechter unbefestigter Straße. Aber nach 5 Monaten und vielen Anfangsschwierigkeiten sind interessante wissenschaftliche Daten zusammen gekommen. Als ich Anfang Februar zurück zur Universität nach Johannesburg fahre, weiß ich, dass die Striemengrasmaus in Namaqualand in Gruppen lebt und der Vater sich an der Jungenaufzucht beteiligt.
Was ich nun auch weiß: Goegap ist mit Sicherheit einer der besten Plätze, um Freilandforschung an Mäusen zu betreiben. Während ein normaler Mäuseforscher seine Studienobjekte nur in der Falle sieht, kann ich meine Striemegrasmäuse hier direkt im Freiland beobachten. Also komme ich 2002 zurück nach Goegap. Als ich dort ankomme, teilt man mir aber mit, dass mir meine Unterkunft von letztem Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Der erste Schreck weicht schnell der Begeisterung: Statt dessen bekomme ich das alte Farmhaus zur Verfügung gestellt, welches direkt neben meinem Field Site steht.
Früher wurde dieses als Gästehaus benutzt, für Reisegruppen von bis zu 24 Personen. Allerdings war das Haus nur selten gebucht. Es war alt und renovierungsbedürftig. Da es nicht genug Geld einbrachte, beschloss die für das Naturreservat zuständige Behörde es zu schließen. Um weitere Kosten zu vermeiden, sollte das Haus abgerissen werden.
Glücklicherweise hatte das Management von Goegap aber eine bessere Idee: Warum das alte Farmhaus nicht als Forschungsstation den Wissenschaftlern zur Verfügung stellen? Die Wissenschaftler müssten keine Miete zahlen, dafür aber selber sämtliche Kosten dieser neuen Forschungsstation übernehmen. Ich war damit gleich einverstanden, bot die neue Forschungsstation doch zahlreiche Vorteile. Erstens war sie direkt an meinem Field Site. Das bedeutete, dass ich nicht mehr zwei mal am Tag mit dem Auto von der Unterkunft zu meinem Untersuchungs-gebiet fahren musste. Nun genügte es, einfach 100 Meter aus dem Haus herauszulaufen. Das sparte nicht nur Geld, sondern ermöglichte auch, z.B. nach dem Fallenstellen einen Kaffee im Haus zu trinken, bevor die Fallen kontrolliert wurden. Inzwischen arbeiten wir hier im Sommer von 6.00 Uhr morgens bis 21.00 Uhr abends. Das ist nur möglich, weil die Forschungsstation direkt am Field Site ist und man so zwischendurch eine Pause machen kann.
Zusätzlich stand nun viel mehr Platz zur Verfügung. Zwar können sicherlich nicht wie in den alten Tagen 24 Leute hier wohnen, aber die drei Schlafräume, zwei Büros und die große Küche bieten genug Platz für 6 Personen.
Neben den Vorteilen gab es aber natürlich auch Kosten. Das Haus war in einem schlechtem Zustand, die Wände dreckig, draußen bröckelte die Farbe ab. Das Bad sah besonders schlimm aus, hier fiel einem auch schon fast die Decke auf den Kopf. Große Löcher klafften in einigen der Hauswände. Aber mehrere Eimer Farbe, neue Deckenbretter, etwas Beton, und die freundliche Hilfe der Arbeiter des Naturreservates halfen da schon viel. Das Bad und den Zaun haben die Feldassistentin Melanie und ich selber wieder etwas hergerichtet.
Das nächste Problem war die Ausstattung: Es gab nur sehr wenige Möbel, ein paar Tische und einen Herd, das war es eigentlich. Dazu kamen noch mein Küchentisch und der Gaskühlschrank vom letzten Jahr. Als erstes kauften wir günstig ein gebrauchtes Küchenregal. Über die Jahre kam dann immer mehr dazu, vor allem einige Schränke und Regale. Trotzdem lässt die Ausrüstung immer noch zu wünschen übrig. Ein weiteres großes Bücherregal für die Studentinnen wäre sehr wichtig. Und vor allem bessere Betten! Die Betten hier sind von den Arbeitern des Reservates zusammengeschweißte Stockbetten, auf welchen billige dünne Matratzen liegen. Ich habe von Anfang an deshalb vorgezogen, meine Matratze auf den Fußboden zu legen.
Strom bekommen wir übrigens über Solarzellen. Für das Licht reicht das vollkommen aus. Aber heutzutage braucht natürlich jeder Wissenschaftler seinen Computer. Dieser ist nicht nur für die Arbeit notwendig, sondern auch zum Entspannen. Damit meine ich nicht nervige Computerspiele, sondern „Fernsehen“. Es gibt inzwischen eine beachtliche DVD Sammlung in der Station und das gemeinsame Schauen von Dokumentationen („Walking with Dinosaurs“ war unsere erste DVD) oder Spielfilmen bietet eine wichtige Möglichkeit, einen Abend entspannt zu verbringen, ohne ständig an Mäuse zu denken. Aber hauptsächlich dienen die Computer natürlich dazu, Datein einzugeben und auszuwerten. Der Solarstrom reicht aber nicht aus, die ganzen Computer zu versorgen, dafür haben wir einfach nicht genügend Solarzellen. Deshalb müssen wir große Autobatterien anzapfen, deren Strom mittels Invertern von 12 auf 220 V umgewandelt wird. Somit müssen wir mehrmals die Woche zum Office des Naturreservates fahren, um die Batterien dort wieder aufzuladen.

Für unsere Wasserversorgung dient eine alte Dieselpumpe, mit welcher wir die Wassertonnen aus einer unterirdischen Quelle auffüllen. Direkt am Haus steht eine Wassertonnen, welche 5000 Liter fasst. Hoch auf dem Hügel hinter unserem Haus stehen zwei weitere Wassertonnen mit insgesamt 10 000 Liter für das Bad.
Auf manche Annehmlichkeiten muss man an der Forschungsstation verzichten. Neben Fernseher gibt es auch kein Telefon und keine Waschmaschine. Aber dafür gibt es so manch anderen Luxus: Die Ruhe der Natur und die atemberaubende Landschaft, in welcher wir wohnen. Ich arbeite hier zwar in meinem Büro an Publikationen und Anträgen, aber ich muss nur wenige Schritte aus dem Haus gehen, um direkt im natürlichen Lebensraum meiner Studienobjekte zu stehen. Eigentlich noch nicht einmal das, denn gerade vor meinem Fenster lebt eine Mäusefamilie in dem Schuppen, in welchem die Solaranlage untergebracht ist. Dahinter stehen Akazien, in denen Mausvögel nisten, und täglich kommt eine Vielzahl an Vogelarten zu der Vogeltränke, welche ich vor meinem Fenster aufgestellt habe. Abends kleben Geckos an der Scheibe, die sich an Insekten satt fressen, welche von dem Licht aus meinem Büro angezogen wurden. Anstatt eines Fernsehers habe ich ein Terrarium mit einer Mäusefamilie auf dem Fernsehtisch stehen. Mittels eines Schlauches können diese zwischen zwei Terrarien hin und herlaufen. Ihnen zuzuschauen, ist genauso spannend wie ein Fernsehfilm, wenn nicht sogar mehr.

So ist über die letzten Jahre die Forschungsstation entstanden. Von Jahr zu Jahr wird die Ausstattung besser, es kommen immer mehr StudentInnen, um hier Erfahrungen als Feldassistenten zu sammeln oder Daten für ihre Diplomarbeit zu sammeln. Auch kommen jedes Jahr andere Wissenschaftler zu Besuch, die in der Zukunft vielleicht selber einmal hier arbeiten wollen. Hoffen wir, dass diese Forschungsstation Bestand haben wird und uns noch viele spannende wissenschaftliche Ergebnisse aus Namaqualand bescheren wird!

 

Ausbau der Forschungsstation 2006

Die Forschungsstation entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter (siehe SGM-Spiegel Nr. 1). Aufbauend auf einem alten, im Verfall befindlichen Farmhaus mit sehr wenig Infrastruktur, konnten wir an der Forschungsstation in Goegap schrittweise sowohl die Lebens- als auch vor allem die Arbeitsbedingungen verbessern. Dieses Jahr tat die Forschungsstation einen gewaltigen Satz nach vorne, denn durch eine Förderung der Mathematisch Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich wurden zahlreiche Verbesserungen finanzierbar.

Neue Decken eingezogen

In einem Zimmer und in der Küche der Forschungsstation begann uns seit einiger Zeit die Decke auf den Kopf zu fallen; im wahrsten Sinne des Wortes. Somit war es Zeit, die Decken dort zu ersetzen. Gleichzeitig wurde die Möglichkeit wahrgenommen, in einem anderen Teil des Hauses zum ersten Mal überhaupt eine Decke einzuziehen. Der jüngste hintere Teil des Hauses, in welchem ich mit meiner Familie wohne (und der ganz früher als Garage für die Farmgeräte diente), gab es bisher lediglich das nackte Wellblechdach, welches direkt über unseren Köpfen war. Das Ergebnis: Im Winter war es eisig kalt, bis zu 10 Grad kälter als in der Studentenküche. Dazu war es im Sommer schön warm, wenn die Sonne den ganzen Tag auf das Wellblech brannte, so dass wir uns bei über 40 Grad wie in einer großen Pfanne vorkamen. Arbeiten war dann unmöglich, es sei denn, ich konnte in die deutlich kühlere Studentenküche ausweichen. In Zukunft wird die Isolierung durch die neue Decke derartige Temperaturextreme wohl vermeiden. Obwohl es diesen Winter deutlich kälter war als letztes Jahr, war es in unserem Teil des Hauses doch deutlich wärmer als in den Jahren zuvor.

  

Zimmer gestrichen

Das Einziehen der Decken verursachte einiges an Schmutz, und so wurde die Möglichkeit am Schopfe gepackt, die Zimmer auch gleich zu streichen. Die Studentenküche bekam ein warmes Gelb, unser Teil ein angenehmes Blau-Grün. Auch das große Schlafzimmer der Studenten wurde frisch gestrichen, in einem zarten Lila, wobei gleichzeitig der etwas vergammelte kleine Wandschrank ein sauberes Weiß bekam. Auch der Gang zu den Studentenzimmern scheint nun in einem frischen Weiß. Schließlich fanden die Studenten im September Zeit, das etwas schmuddelige Weiß des Bades in ein angenehmes kühles Hellblau zu ändern.

 

Neue Möbel

Viele Jahre lang hatten sich die Studenten über die schlechten Betten und Matratzen beklagt. Dabei war es meiner Erfahrung nach mit einer alten Matratze auf dem Boden auszuhalten. Aber ein gutes Bett ist schon etwas wert, und so gibt es nun vier neue richtige Betten für die Studenten in der Forschungsstation - sogar extra große! Da sie lange halten sollen, habe ich auch nicht das billigste Modell genommen, sondern echte Qualität. Zudem wurden gekauft: Ein Kleiderschrank, zwei Bücherregale und ein Küchenregal.

 

Solaranlage: Nun Strom in jedem Zimmer!

Bisher hatten wir fast keinen Strom an der Forschungsstation. Nun gut, es gab und gibt immer noch eine kleine Solaranlage, die genügend Strom für schwache 12V Lampen liefert und im Sommer sogar für einen Laptop. Aber ansonsten lief es hier so ab: Große Autobatterien wurden am Office des Naturreservates aufgeladen, dann hier ein schwacher Inverter angeschlossen, welcher 12V zu 220V umwandelte. Damit konnte man dann immerhin für einige Stunden den Computer betreiben. Dann musste man wieder zum Office fahren und die Autobatterie wieder aufladen. Mehrmals die Woche war das notwendig, und trotzdem waren die Batterien häufig leer und man konnte nicht arbeiten.

Seit diesem Juli ist nun alles anders! Vier große Solarpanels stehen inzwischen vor der Forschungsstation. Diese laden acht große Solarbatterien auf der Veranda der Forschungsstation. Ein Solar Regulator stellt sicher, dass die Batterien nicht überladen und geschädigt werden. Von den Batterien führt eine Leitung zu einem Inverter im Forschungszimmer. Dieser wandelt 24V (die Batterien sind parallel geschaltet) in 220V um. Vom Inverter führen Leitungen in ALLE Zimmer der Forschungsstation. Jedes Zimmer hat nun eine richtige Steckdose, so dass man seinen Computer einfach einstecken kann, wie in der zivilisierten Welt. Was für eine Veränderung gegenüber den ständig leeren schweren Autobatterien, deren Säure Löcher in die Kleidung fraß, wenn man sie zum Aufladen brachte!

Natürlich geben die Solarpanels nicht unendlich viel Strom. Aber sie sind stark genug, selbst im Winter genügend Strom für acht Stunden Arbeit am Computer zu liefern, im Sommer sicherlich noch viel mehr. Und außer für Computer brauchen wir kaum Strom. Der Inverter liefert maximal 1000 Watt, was genügend ist für bis zu acht Rechner, aber einen Fön oder einen Kühlschrank kann man damit nicht speisen. Für letzteren muss nach wie vor die gute alte Gasflasche dienen.

  

Neue Computer

Auch zwei neue Laptops gibt es nun an der Forschungsstation. Ich habe die billigsten Modelle von Dell genommen, ohne alle Extras, und bin sehr zufrieden damit. Sie können alles, was ein Computer können muss. Der alte Laptop steht nun dem Research Station Manager zur Verfügung. Einer der neuen dient als Station, in welche alle Daten eingegeben werden müssen. Der andere dient auch der Arbeit, wird aber auch immer in die Stadt mitgenommen, wenn jemand nach Springbok fährt. Dort werden dann Emails der Studenten im Internetcafe gesendet und herunter geladen (wir haben immer noch keinen Telefonanschluss). Das dauert nur wenige Minuten und die Studierenden haben dann in Goegap die Möglichkeit, abends in Ruhe ihre Emails zu lesen und zu beantworten. Davor mussten sie dies immer während ihrer wöchentlichen Versorgungsfahrt machen, was auch teuer war.

 

 Neue Lampen

Da wir bisher zu wenig Strom hatten, hatten wir in manchen Zimmern auch zu wenig Licht. Ok, es gab überlall 12V Lichter, aber zum Beispiel im Badezimmer kam man nachts nur gut zurecht, wenn man sich auskannte. Nun erleuchten gleich zwei Lampen das Bad im hellsten Licht. Beide Lampen sind an das neue 220V System angeschlossen, ebenso wie die neue Lampe im kleinen Studentenschlafzimmer. War dieses bisher nachts das dunkelste Zimmer in der Station, ist es nun das hellste. Großer Pluspunkt für den Sommer: Auf der Veranda gibt es nun ein großes Licht, so dass man dort in warmen Sommernächten gemütlich sitzen kann, z.B. zum Abendessen.

 

Wendy-Haus für Tierhaltung

Früher wäre ein Abendessen auf der Veranda nicht nur wegen des fehlenden Lichtes unmöglich gewesen. Rechts auf der Veranda war auch die Mäusekolonie untergebracht. Und da die Mäuse nicht nur tagaktiv sind, sondern auch stressanfällig, musste man abends auf der Veranda ruhig sein. Die Mäuse sind nun aber umgezogen, sie haben ihr eigenes Haus bekommen, ein Wendy Haus. So nennt man in Südafrika die Holzhäuschen, welche unseren Gartenhäuschen ähneln. Das Wendy Mäusehaus misst 6 x 3 Meter und bietet somit deutlich mehr Platz als die Mäuse auf der Veranda hatten. Gekauft habe ich es in Kapstadt und der Transport nach Goegap war nicht nur teuer, sondern auch stressig, da die Transportfirma zuerst nur die Hälfte brachte: Dach, Türen und Fenster hatten sie in Kapstadt vergessen. Der Aufbau war auch schwieriger als gedacht, aber nun steht das Haus!

  

Research Station Manager ernannt

Die wohl wichtigste Veränderung ist, dass es seit diesem Jahr einen Research Station Manager bzw. Managerin gibt. Ermöglicht wurde dies durch Stipendiengelder verschiedener Stiftungen. Als Research Station Manager kommen erfahrene Studierende in Frage. Unterkunft in Goegap steht frei zur Verfügung und monatlich wird ein geringer Betrag bezahlt (R2000, ca. 250 Euro), der aber ausreicht, um die Lebenshaltungskosten in Südafrika zu zahlen. Zudem werden die Flugkosten am Ende des Jahres zurückerstattet. Die Arbeit als Research Station ManagerIn ist hart und anspruchsvoll. Der ManagerIn soll während meiner Abwesenheit die Station und die wissenschaftliche Projekte am Laufen halten. Der ManagerIn muss also Reparaturen und Instandhaltung der Station betreiben, die Finanzen managen, die Gefangenschaftskolonie der Mäuse betreuen, FeldassistentInnen einarbeiten und betreuen und sicher stellen, dass alle Mäuse im Freiland markiert werden und man die Übersicht über die Gruppen behält. Dazu gehört auch das Anlegen und Abnehmen von Transmittern. Eine große Verantwortung, der nicht jeder gewachsen ist. Mit Ivana habe ich aber eine sehr gute Person gefunden, der die harte Arbeit Spaß macht und auf die ich mich voll verlassen kann.

  

Weitere Entwicklungen in der Zukunft

Meine Hauptbedenken derzeit sind, dass die Studierenden der Zukunft die Neuerungen als selbstverständlich ansehen. Sie mussten ja nie Autobatterien schleppen oder hatten nur 1x die Woche Zugang zu ihrer Email.

Was kann man noch mehr wollen? In Zukunft werden wir wohl vor allem noch mehr Platz für Studentenunterkünfte brauchen. Neben dem Zimmer für den Research Station Manager, dem Zimmer für meine Familie und mich, gibt es nur noch ein Schlafzimmer mit drei Betten. Das genügt für Feldassistenten, aber wenn einmal Doktoranden hier länger leben, wäre es gut, für diese separate Zimmer zu haben. Weitere Wendy Häuser oder Wohnwagen wären eine Möglichkeit. Anbauen ist im Naturreservat nicht erlaubt, nur nicht permanente Strukturen dürfen errichtet werden. Wir würden dann auch noch mehr Strom brauchen, vielleicht durch eine Windmühle, welche auch und vor allem arbeitet, wenn der Himmel bedeckt ist und die Solarpanels daher wenig Strom liefern.

Am wichtigsten wäre es aber, ein neues und zuverlässiges Auto für die Forschungsstation zu bekommen. Derzeit hat die Forschungsstation lediglich einen 14 Jahre alten Ford Sierra. Zudem steht für Notfälle mein 10 Jahre alte Land Rover zur Verfügung. Aber fast jede Woche ist eines der alten Autos in der Werkstatt. Ein neues und zuverlässiges Auto wäre eine große Hilfe und Erleichterung, während der Ford immer noch als Ersatzwagen zur Verfügung stehen würde. In Frage käme für die Forschungsstation ein geräumiger Wagen mit Geländekompatibilität aber ohne Vierradantrieb, wie z.B. ein Toyota Condor, Kostenpunkt: 33 000 Euro. Aber dafür müssen wir erst noch einen Sponsor finden, oder kennen Sie einen?

 

Ausbau der Forschungsstation 2008

In den letzten Monaten hat sich viel geändert an der Succulent Karoo Research Station. Viele Leute kamen und gingen und wir hatten eine Rekordbesetzung von 12 Personen im August! Die letzten großen Veränderungen liegen fast zwei Jahre zurück, doch mit der Unterstützung mehrerer Stiftungen (s.u.) konnte die Forschungsstation große Fortschritte verbuchen!

Leider mussten wir uns aber auch von einem der langjährigsten (und ältesten) Mitglieder der Forschungsstation verabschieden, dem liebgewonnenen 15 jährigen Ford Sierra Kombi. Er war fünf Jahre an der Forschungsstation und wurde nicht immer gut behandelt. Einige Studenten beschimpften ihn als Mistkarren und gingen alles andere als pfleglich mit ihm um. Als Ersatz bekamen wir aber einen nagelneuen Mahindra Bolero 2X4 double cab, ein robustes Auto, gut tauglich für unser hartes Gelände. Auch wurden die Bedingungen der Nutzung durch Studenten stark verschärft, so dass mit diesem Auto sicher besser umgegangen werden wird. Der Mahindra hat eine hohe ground clerance, wodurch die tägliche Fahrt zum Farm Field Site deutlich einfacher wird. Mit geringem Druck in den Reifen kommt er auch gut durch den tiefen Sand. Er bietet genügend Platz für 5 Studenten plus viel Platz im Kofferraum, wo zahlreiche Gasflaschen transportiert werden können, plus der wöchentliche Einkauf in Springbok.

Da die Populationsdichte an der Forschungsstation anstieg, musste natürlich auch mehr Platz geschaffen werden. Somit wurde ein zweites Holzhäuschen von 6x3 Metern mit zwei Zimmern aufgebaut. Dadurch war Platz für zwei weitere Personen geschaffen, und Studenten und Feldassistenten konnten sich weiter um die Forschungsstation herum ausbreiten. Es musste nun nur noch von uns gestrichen und mit Möbeln ausgestattet werden und zudem im Schlafzimmer ein weiterer Boden zur Isolierung eingezogen werden. Und nur 2 Stunden später hatte es mit Nils und Sarah schon seine ersten Bewohner!

Zusätzlich wurde noch ein weiteres kleines Häuschen von 2x2 Metern aufgestellt. Hier wurde eine Toilette und Dusche installiert. Bisher gab es nur ein Badezimmer, und wenn dort abends 5 Studentinnen nacheinander Duschen gingen, gab es keine Pinkelmöglichkeit für die Herren. Wir warten allerdings immer noch auf die im Juni bestellte und für August versprochene Solarwasserheizung für die Dusche. Wir hoffen, dass auch diese noch eintreffen und die Gaskosten deutlich reduzieren wird.

Mehr Leute an der Forschungsstation bedeuten auch einen höheren Stromverbrauch. Also musste das vorhandene Solarsystem verbessert werden. Daher stellte sich die Frage, wie man die Stromproduktion am besten erhöht. Zwei Möglichkeiten gab es:

  1. Weitere Solarzellen installieren
  2. Eine Windturbiene

Die vorhandenen Solarzellen haben bisher gute Arbeit geleistet und auf die südafrikanische Sonne ist meistens Verlass. Allerdings würde eine Windturbine auch nachts und während stürmischem Wetter mit bedecktem Himmel Strom liefern. Andererseits, an windstillen Tagen produziert sie gar nichts! Nach vielen Erkundigungen und Nachdenken beschlossen wir, eine Windturbine plus einen kleinen Sonnenkollektor zu kaufen. Gemeinsam mit den drei bereits vorhandenen kleinen Kollektoren der kleinen 12V Solaranlage konnte somit die 24V Anlage sowohl durch Wind als auch Sonnenenergie zusätzlich versorgt werden!

Nun war es an der Zeit, einen Elektriker zu finden, der alles installiert. Und einen Klempner für das zusätzliche Bad im Holzhäuschen. Aber wir mussten schnell einsehen, dass dies gar nicht so einfach war! Es war eher eine Herausforderung! Wir fragten drei Elektriker an, zur Forschungsstation zu kommen um uns einen Kostenvoranschlag zu geben. Aber nur zwei kamen, und nur einer davon gab uns einen Kostenvoranschlag. Und der war sehr hoch! Einen Klempner zu finden war noch schwieriger und dauerte mehr als drei Wochen!

Nachdem wir die Handwerker gefunden haben, mussten wir darauf warten, wann die Arbeit anfing. Da aber in der Stadt ein neues Geschäft und ein neues Restaurant aufmachten, hatten sie für uns keine Zeit. Woche um Woche verging und nichts passierte. Der Elektriker meinte, er könne es wohl Mitte nächsten Monat machen, aber dann wären die neuen Studenten bereits da. Ein weiteres Problem stellte der Turm für die Windturbine da: Es gab in Springbok keine Eisenstangen, die lang genug waren! 7 Meter brauchten wir, aber die längste war nur 6 Meter hoch. Als wir schon aufgeben wollten, trafen wir zufällig den Mann, der unser erstes Solarsystem vor zwei Jahren aufgebaut hat, in der Zwischenzeit sich aber selbständig gemacht hat. Er konnte nicht nur in ein paar Tagen anfangen, sondern sein Kostenvoranschlag war auch 40% günstiger als von dem anderen Elektriker! Für 11 000 anstatt 16 000 Rand (ca. 950 Euro) stellte er nicht nur die Windturbine auf, sondern installierte auch unseren neuen 3000 W starken Inverter, und die 220 V Lampen in allen Zimmern, sowie einige zusätzliche Steckdosen. So ist es nun nachts in der Forschungsstation schön hell, während die vorher installierten 12V Birnen einen schnell schläfrig machten.

Nach Monaten harter Arbeit war das neue System der Stromversorgung endlich installiert. Aber schnell bemerkten wir, dass wir nach all den Investitionen plötzlich nicht mehr, sondern weniger Strom hatten! Die Batterien waren über Nacht leergelaufen, morgens lief erstmals nichts mehr. Nach vielen Tagen des Kontrollierens der Volt der Batterien stellten wir fest, dass zwei der Batterien defekt waren. Das Problem war, dass tagsüber die Batterien so taten, als wären sie voll, zumindest so lange Strom von den Solarzellen kam. Der Solarregulator beendete dann die Stromzufuhr von den Solarzellen. Aber sobald die Sonne weg war, sank ihr Voltgehalt von 13 auf nur 11 V oder weniger. Dadurch wurden tagsüber auch die guten Batterien nicht richtig aufgeladen. Während des Tages bekamen wir den Strom für die Computer also fast direkt von den Solarzellen, nachts war der Strom bald weg.

Wir mussten insgesamt vier Batterien austauschen. Seitdem funktioniert die Stromversorgung aber so gut, dass wir einen Niedrigenergiekühlschrank kaufen konnten. Dieser ersetzte den alten Gaskühlschrank, welcher uns pro Monat 400 Rand an Gas gekostet hat. Wir hoffen daher, die Kosten der Anschaffung in einem Jahr eingespart zu haben. Die Stromversorgung ist inzwischen sogar so gut, dass wir tagsüber auch noch einen kleinen Gaskühlschrank mit Strom laufen lassen können, obwohl dieser doppelt so viel Strom braucht wie der neue Kühlschrank. Und natürlich haben wir genügend Strom für Lampen (insgesamt 16 über die Station verteilt), all die Computer und die Zentrifuge.

Der Ausbau der Forschungsstation war stressig und kraftraubend. Wir hatten viele Probleme, dadurch haben wir aber auch viel gelernt und wichtige Erfahrungen gesammelt. Wir haben hart gearbeitet, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen an der Forschungsstation zu verbessern. Wir hoffen, zukünftige Generationen von Studierenden werden das wertschätzen.

Die Forschungsstation wurde seit 2001 koninuierlich ausgebaut (Inserts), durch Solar- und Windstrom, zusätzliche Gebäude. Zudem wurde ein neues Auto gekauft. (Bild C. Schradin)
Sicht auf die Forschungsstation 2004 (Bild C. Keller).
Rückseite der Forschungsstation: Platz zum Grillen und für die Wäsche. (Bild C. Keller).

Die alte Wasserpumpe wurde 2011 durch eine Solarpumpe ersetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ivana streicht das große Studentenzimmer

 

Im frisch gestrichenen Studentenzimmer stehen nun drei neue schöne Betten. Auch die Vorhänge sind neu.

 

Große Solarpanels versorgen nun die Forschungsstation mit Strom.

Die Solarpanels speisen die Solarbatterien. Von diesen führt ein Kabel in den blauen Inverter an der Wand im Haus, welcher 24V zu 220V umwandelt. Von hier führen Kabel zu insgesamt acht Steckdosen im Haus, wie der weißen links im Bild, welche den Laptop speist.

 

Der Aufbau des Wendy Hauses war gar nicht so einfach. Unter das Dach kam eine Isoliermatte, vor allem damit es im Sommer nicht zu heiß wird.

 

Den Mäusen geht es in ihrem neuen Haus sehr gut. Schon über 100 Mäusebabys wurden hier in der Zwischenzeit geboren.

Ivana schaut der anspruchvollen Aufgabe als Research Station Managerin selbstbewusst entgegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mahindra ist eine Automarke aus Indien, welche es in Europa nicht gibt, die aber in den letzten Jahren sehr erfolgreich nach Südafrika expandiert ist. Wir sind mit dem Auto sehr zufrieden: Es ist robust, leicht zu fahren, hat viel Platz, und ist nicht zu schnell!

 

Im kleinen Häuschen wird das zweite Bad installiert.

Links das neue Häuschen als Studentenunterkunft, rechts das neue Badehäuschen.

  

Das letztes Jahr aufgebaute Holzhäuschen, in welchem Ivana und Ed wohnen. Die großen, vor zwei Jahren aufgebauten Solarzellen und die vier neuen kleinen. Die großen Solarzellen erzeugen 17 Ampere bei 24 V, die kleinen 6 A.

Sicherungskasten und links der alte Inverter mit einer Maximalleistung von 1000 W, rechts der neue, der 3000 W erzeugen kann. Der neue Inverter versorgt die Küchen mit Strom, so dass dort Kühlschränke angeschlossen werden können.

 

Die Windturbine erzeugt bereits bei einer Windstärke von 9km/h Strom. Sie kann maximal 9 A bei 24 V erzeugen, dies aber tags und nachts!

 

Ansicht der Forschungsstation von vorne, v.l.n.r: Mahindra, das Forschungsstationsauto, das Hauptgebäude (altes Farmhaus), der private Nissan von Ed, das Häuschen von Ed und Ivana, der 5000l Wassertank, das kleine Bad und das neue Holzhäuschen.

 

Ansicht der Forschungsstation von hinten, v.l.n.r: das neue Holzhäuschen, die Windturbine, der 5000l Wassertank, das Hauptgebäude (altes Farmhaus), das alte Holzhäuschen von 2006, in welchem die Gefangenschaftskolonie der Striemengrasmäuse lebt.